Wie die Rückbildung der Krankheit beim günstigen Ausgang sich vollzieht, ist nicht festgestellt. Offenbar wird es auf die constitutionelle Widerstandsfähigkeit der Pferde am meisten ankommen, wenn der Krankheitsverlauf coupirt wird, bevor noch die allgemeinen Störungen der nervösen Apparate eintreten. Dass aber ein Abortivverlauf vorkommt, ist ausser Frage. Ruthe fand bei einem Hengste, der eine grössere •Zahl von Stuten inficirte, nur eine starke, ödematöse, schmerzhafte Schwellung am Präputium und am Scrotum, sowie an der inneren Fläche beider Hinterschenkel. In der Geschwulst bildete sich nach 6 Wochen ein Abscess mit dünnem, jauchigem Eiter, nach dessen Entleerung das Pferd genesen ist. Die Castration wurde nicht vorgenommen, aber es war nach Verlauf von 3 Jahren nur noch eine fingerdicke feste Geschwulst' am Schlauche. Andere Symptome der Krankheit hatten sich bei dem fraglichen Hengste nicht eingestellt.
Die Literatur enthält viele Angaben darüber, dass im Verlaufe der Beschälkrankheit sich der Rotz ausgebildet habe. Die Erklärung dieser Complication ging bis vor 20 Jahren allgemein dahin, dass bei den betreffenden Pferden der Rotz aus den localen Krankheitsprocessen spontan entstanden sei. Nach allen neueren Beobachtungen bleibt kein Zweifel darüber bestehen, dass ein essentieller Zusammenhang zwischen der Beschälkrankheit und dem Rotz nicht vorhanden ist. Auch bei den beschälkranken Pferden entsteht der Rotz nur dann, wenn dieselben von anderen rotzkranken Pferden angesteckt wurden. Maresch, dem ein reiches Beobachtungsmaterial zu Gebote stand, fand den Rotz bei den beschälkranken Pferden niemals.
Soweit die Erfahrung reicht, überträgt sich bei den tragenden Stuten der Infectionsstoff auf den Fötus nicht. Rodloff behandelte eine tragende Stute, die erst mehrere Monate nach dem Abfohlen zu Grunde ging. Das Fohlen war zwar in der ersten Zeit nach der Geburt und in Folge der geringen Milohproduction der Stute ziemlich mager, entwickelte sich aber später zu einem ganz gesunden Pferde.
Diagnose.
Seitdem der Bläschenausschlag der Genitalien als eine eigenartige Krankheit bekannt ist, gestaltet sich die Diagnose der Beschälkrankheit weniger schwierig. Ein einzelnes Symptom derselben hat aber keinen pathognomonischen Werth und wenn die Krankheit nur bei einem einzelnen Pferde besteht, so kann die Erkennung derselben eine Zeit lang unmöglich sein. Lässt sich ermitteln, dass das betreffende Pferd aus einer Gegend stammt, in welcher die Krankheit vorkommt oder dass eine Begattung desselben mit einem kranken oder verdächtigen Pferde stattgefunden hat, so erleichtert sich die Diagnose wesentlich. Sonst bleibt nur übrig, nach dem Krankheitsverlauf und unter sorgfältiger Combination aller diagnostischen Momente einen zweifelhaften Fall zu beurtheilen. Hierbei ist zu beachten, dass die Thalerflecke eine gewisse Aehnlichkeit mit dem Nesselausschlag haben. — Schwellungen der Lymphdrüsen machen die Untersuchung des Pferdes auf Rotz nothwendig. In der Regel wird bei sorgfältiger Beachtung der Pathogenese beider Krankheiten die Unterscheidung möglich sein. — Entzündliche Oedeme an den Geschlechtstheilen und am Bauche können aus mehreren Ursachen entstehen, was selbstredend bei der Diagnose zu erwägen ist. — Die Kreuzschwäche der beschälkranken Pferde unterscheidet sich von der chronischen Kreuzlähmung schon dadurch, dass bei der letzteren keine krankhafte Abmagerung besieht und auch die Bauchdecken nicht angespannt sind. Ausserdem ist der Gang bei einem an chronischer Kreuzlähmung leidenden Pferde in höherem Grade schwankend (wackelig).
Prognose und Therapie.
Die Beurtheilung der Beschälkrankheit fällt im Allgemeinen ungünstig aus. Nur ausnahmsweise und so lange die Krankheit noch nicht zur Affection des Rückenmarks geführt hat, ist auf die Herstellung der Pferde zu hoffen.
Zur Behandlung der Stuten empfiehlt sich die täglich 2—3 Mal zu wiederholende Irrigation der Scheide mit Oarbolwasser oder mit einer lproc. Lösung von Alaun oder einer 2proc. Lösung von Tannin. Innerlich haben die österreichischen Thierärzte zuweilen Hydrarg. bichlorat. (1,0 — 2,0 pro die in Latwergenform) und Acid. arsenicos. (0,5—1,0 pro die mit dem Futter) mit Erfolg angewandt. — Gegen die Beschälkrankheit der Hengste wird seit langer Zeit die Castration empfohlen.