Nach Verlauf von einigen Wochen oder Monaten zeigen sich die allgemeinen Störungen: constitutionelle Ermüdung; Zittern der Haut; Knicken mit den Fesselgelenken der Hintergliedmassen beim Gehen; Schwäche im Kreuz; Erschlaffung und Lähmung einzelner Muskeln (Ohren, Lippen, Augenlider); ödematöse Infiltration der Haut, besonders am Hintertheil und am Halse, in der Form runder Herde von dem Umfange eines Markstückes bis zu dem einer gewöhnlichen Untertasse und von der Dicke eines kleinen menschlichen Fingers. Viele dieser Herde erlangen die durchschnittliche Grösse eines Silberthalers der früheren deutschen Prägung („Thalerflecke" der Autoren). Oft verschwinden die. Herde nach 4—10 Tagen, worauf innerhalb kurzer Zeit zuweilen in andern Hautpartien neue Herde entstehen.
Später beherrschen die Symptome der Kreuzlähme und der progressiven Abmagerung das Krankheitsbild. Starke Atrophie der Kruppen-und Rückenmuskeln. Anhaltendes Liegen; erhebliche Anstrengung zum Aufstehen; Verengerung (Aufschürzen) des Bauches; schwankender Gang im Hintertheil; köthenschüssige Stellung der hinteren Fesselgelenke; Zittern der oberflächlich gelegenen Muskeln beim Stehen oder bei der Bewegung und stierer Blick als Ausdruck der constitutionellen Ermüdung. Bei vielen Hengsten zeigt sich ein krankhafter Juckreiz in der Haut allgemein oder an einzelnen Körpertheilen. Strauss, welcher auf das Symptom zuerst aufmerksam machte, legte demselben eine so grosse Bedeutung bei, dass er die Krankheit der betreffenden Thiere mit dem Namen der „Juckkrankheit,, bezeichnete. — Der Appetit ist zuweilen vermindert, oft aber nicht. Auch die Functionen der Verdauungsorgane bleiben meist normal. Pulsfrequenz fehlt nach Rodloff so lange, bis sich Kachexie einstellt. Dagegen ist das Athmen in den späteren Krankheitsstadien meist in massigem Grade beschleunigt. — Relativ oft zeigt sich eine katarrhalische Affection im respiratorischen Tractus mitDejection von weissem oder grauweissem Schleim aus der Nase. Die Lymphdrüsen, welche im Bereich der entzündlichen Localaffection liegen (Leistendrüsen, Kehlgangsdrüsen) treiben zu derben Geschwülsten auf. B. Bei Stuten: Rodloff hebt hervor, dass die Veränderungen in der Scheide bei Weitem nicht der Bedeutung des Uebels entsprächen und oft so geringfügig seien, dass sie von Laien gar nicht bemerkt würden. Diese Angabe stimmt auch mit den Beobachtungen von ßuthe überein, welcher bei 2 Stuten die Scheidenaffection erst in einem späteren Stadium der Krankheit constatirte. — An der Vulva bildet sich eine ödematöse Geschwulst („pappige Schwellung" nach Rodloff). Dieselbe setzt sich oft auf das Euter und die innere Fläche der Schenkel fort. An der Schleimhaut des Vorhofs findet sich eine ungleiche fleckige oder streifige Röthung und häufig eine geringe Quantität schmutzigen katarrhalischen Secretes. Selten werden Bläschen gefunden. Rodloff giebt an, niemals Geschwüre in der Scheide gesehen zu haben. Dagegen constatirte Roll in mehreren Fällen an den Schamlippen und weiterhin in der Scheide tiefer greifende, mit stark geschwollenen und gerötheten Rändern versehene unreine Geschwüre. Andererseits sah Rodloff einige Male kleine „plattgedrückte", gelbliche Knötchen in der Scheide. — Die Stuten drängen oft wie bei der Rossigkeit auf die Geschlechtsorgane und entleeren hierbei bräunlichen oder missfarbenen Schleim in grösserer Menge, so dass die Schweifhaare verklebt und auch die Hintergliedmassen verunreinigt werden. Der Urin wird bei dem häufigen und starken Pressen stossweise und unter Schmerzempfindungen ausgeschieden, wobei auch leichte (Jmstülpungen des Afters vorkommen. Blennorrhoische Ausflüsse aus der Scheide fand Maresch unter 197 kranken Stuten aber nur 17 Mal. •
Die Symptome der Lähmung im Hintertheil und der paretischen Affectionen an den Lippen, Ohren oder anderen Regionen verhalten sich bei den Stuten wie bei den Hengsten. Nach Rodloff treten die „Thaler-flecke" in der Haut bei den Stuten selten auf. Das krankhafte Juckgefühl in der Haut wurde von Ruthe auch bei den Stuten an den Hinterschenkeln beobachtet. „Das Thier scheuerte sich an allen Gegenständen und nagte sich mit den Zähnen an den Schenkeln, wobei es häufig mit den Hinterbeinen einknickte."
Pathologische Anatomie.
Starke Abmagerung des Körpers und Schrumpfung der Muskeln am Becken und am Rücken. In den ödematösen Schwellungen der Scham und des Euters oder des Schlauches und Hodensackes findet sich gelbliches Serum. Die Hoden enthalten nach Knauert bei entzündlichen Schwellungen kleine käsige Herde, Nebenhoden und Samenstränge sind mit gelblichem, gallertartigem Serum inflltrirt. Bei Stuten bestehen in der Vaginalschleimhaut herdweise Verdickungen und Verhärtungen, in einzelnen Fällen ulceröse Zustände. Die Schleimhaut selbst hat eine dunkle, ungleichmässige, streifige Röthung, stellenweise eine bleigraue Färbung. Die Thalerflecke der Haut sind auf dem Durchschnitt derb. In den umfangreichen Schwellungen der Subcutis fand Ruthe das Bindegewebe derb, speckartig und mit intensiv gelb gefärbtem Serum durchtränkt. In der Bauchhöhle klares Transsudat in geringer Menge. Unter dem peritonealen Ueberzuge der Bauchorgane stellenweise sulzige Ergiessungen. Zwischen den Rückenmarkshäuten Ansammlung von Serum. Das Rückenmark selbst bei langer Krankheitsdauer atrophisch. In der grauen Substanz des Rückenmarks ermittelte von Thanhoffer breiige Erweichungsherde. Das Gehirn fand Rodloff in der Regel erweicht. Oft enthalten die Seitenventrikel eine abnorme Menge serösen Transsudates. — In den geschwollenen Lymphdrüsen finden sich kleine Hohlräume mit trockenem amorphem (käsigem) Inhalt. Die benachbarten Lymphgefässe sind vergrössert und derb. Ruthe beobachtete bei einer Stute im Dünndarm und Dickdarm zahlreiche kreisrunde Flecke von der Grösse eines Markstückes bis einer gewöhnlichen Untertasse. Die Mesenterialdrüsen. waren wallnuss-bis apfelgross geschwollen.
Verlauf und Ausgang.
Die Beschälkrankheit nimmt stets einen chronischen Verlauf, der sich gewöhnlich auf 6—10 Monate, zuweilen auf 1—2 Jahre erstreckt. Meist vergehen 3—4 Wochen nach der Infection, bis die ersten Krankheitserscheinungen bemerkt werden. Bei den meisten Patienten entwickeln sich die Symptome nicht gleichmässig. Auch bilden sich die Reizungszustände an den Geschlechtsorganen, namentlich die entzündlichen Schwellungen am Hodensack, am Euter oder unter dem Bauche zuweilen wieder zurück, so dass die betreffenden Patienten mehrere Wochen oder Monate keine erheblichen Störungen der Gesundheit bekunden. Dann stellen sich bei den Thieren, die kaum noch für krank gehalten werden, die Merkmale der constitutionellen Affection ein und daneben machen sich auch stärkere Reizungsprocesse in den Geschlechtsorganen geltend. Wenn die Abzehrung und die Kreuzschwäche einen erheblichen Grad erlangt haben, so schreitet die Gesammtkrankheit langsam aber unaufhaltsam weiter. Indess vergehen doch nicht selten noch mehrere Monate, bis der Tod durch Erschöpfung eintritt. Es giebt Fälle, in welchen von den Krankheitserscheinungen nur die progressive Paralyse des Hintertheils und die Abmagerung augenfällig hervortreten. Ich beobachtete 1873 in der hiesigen Klinik einen 10jährigen Deckhengst, der aus dem Posenschen Landgestüt .zur Feststellung seines Krankheitszustandes eingeliefert war. Bei diesem Pferde fanden sich mehrere Monate hindurch nur die Kreuzschwäche mit knickelnder Fesselstellung, starke Abmagerung, Aufschürzen des Bauches, später katarrhalische Affection der Respirationsschleimhaut mit Schwellung der submaxillaren Lymphdrüsen und an dem Hinterschenkel sowie auf dem Rücken die sogenannten Thalerflecke, welche theils kürzere, theils längere Zeit bestehen blieben.
Sowohl bei den Hengsten wie bei den Stuten verläuft die Beschälkrankheit nicht immer tödtlich, aber die Heilung erfolgt doch nur in einer kleinen Minorität der Krankheitsfälle. Oft genug ist selbst von erfahrenen Sachverständigen angenommen worden, dass die betreffenden Patienten geheilt seien, während nach mehreren Monaten die Zufälle der Krankheit sich von Neuem wieder einstellten und dann zur Kachexie und zum Tode führten. — Nach einer viel verbreiteten Annahme soll dem Krankheitsverlauf bei Hengsten durch die Castration Einhalt gethan werden können. Knauert (vergl. Rodloff 1. c. S. 38) hatte sich die Meinung gebildet, dass der Infectionsstoff eine Zeit lang in den entzündlich geschwollenen Hoden und Samensträngen verbleiben könne. Es sollte demnach mit der frühzeitigen Entfernung der Hoden die Beseitigung des Ansteckungsstoffes stattfinden. Rodloff constatirte in mehreren Fällen, dass die Castrationswunden in eine starke Schwellung geriethen und eine schlechte Tendenz zur Heilung zeigten. Indess ist auch er der Ansicht, dass die frühzeitige Castration die Heilung der Hengste wesentlich begünstige.